Buchmesse Frankfurt

21. Juni 2018

Heute habe ich den Loci-Verlag beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels angemeldet. Jetzt bin ich also auch noch Verleger!

Die Arbeit an meinen „ersten Kindern“ bereitet mir riesige Freude! Cem Kemal Yilmaz ist ein Pfundskerl! Wir haben in den vergangenen Wochen stundenlang gesprochen. Er und seine Familie: Was für warmherzige, tüchtige und begabte Menschen!

Kurze Titelbedenken: „Deutscher als ich geht eigentlich nicht“. Meines Erachtens paßt das hundertprozentig. Cem fragt, ob das nicht eine Anmaßung sei, Cultural appropriation gewissermaßen. Ja, er habe das ja wirklich so gesagt, aber dann doch mit einem Augenzwinkern, meint er. Basta!, entgegnete ich. Titel bleibt!

30. August 2018

Alles geht seinen Gang. Buchmessenstand ist angemietet, meine beiden Buch-Neulinge wachsen heran. Dabei ist das „Neudeutschen“-Buch definitiv die schwierigere Geburt. Ewa, Daja und Zsolt haben schon vor Wochen ihre feinen Texte eingereicht – bereits gesetzt! Interview mit Ararat machte ich vorgestern. Bester Mann. Tja, muß ich wohl „ein bißchen Druck machen“! Dafür allerdings hab‘ ich genau die richtige Profession…

Cem Kemal hat zugesagt für die Buchmesse. Ich werde ihn am Stand interviewen. Buch ist so gut wie fix und fertig. Heute die Idee, daß „Doppelte Staatsbürgerschaft?“ noch dringend als Kapitel reinmüßte. Kemal meint, das werde noch ein ganz großes Thema.

4. September 2018

Hab ich nun „Lehrgeld“ bezahlt? Eigentlich nein. Ich habe eine Anfrage gestellt und eine Absage erhalten. Camille Paglia möchte ihr großartiges „Free women, free men“ in keinem deutschen Verlag mehr veröffentlicht sehen. Schade, ich hätte mich artigst an ihre Vorgaben gehalten und auch die beiden Aufsätze abgedruckt, die hierzulande vermutlich keinen Menschen interessieren. Unter anderem daran (daß der deutsche Verlag jene beiden älteren Texte wegließ) war ja der erste „Verlegungsversuch“ vor einem halben Jahr gescheitert. Jammerschade!!

Meine Vermutung geht in diese Richtung: Paglia, deren Werk in den USA wahrlich ebenfalls heiß und giftig diskutiert wurde, hat nun mitbekommen, daß man als Anhänger oder Verteidiger ihrer Thesen in Deutschland unmittelbar und ausschließlich in die rechte Ecke gestellt wird. Denkkorsette mögen überall parat gehalten werden – die in Deutschland allerdings sind aus Beton.

11. September 2018

Gerade war ich noch (immer noch buchloser!!) Kleinstverleger, jetzt – über die Korrespondenz mit dem Antaios-Verlag in Sachen Paglia – das Angebot, ein „ganzes Imperium“ zu übernehmen! Soll ich das? Kann ich das? WILL ich das?

Die Sache ist extrem verlockend. Es wäre eine riesige Investition und eine noch weitaus größere Verantwortung. Ellen Kositza würde „Programmleitung“ machen, das wäre natürlich bereits die halbe Miete… Der Herr Dr. ist also vollkonzentriert bei seinen Patienten, und nebenher wird gegrübelt und gegrübelt. Kaufen? Nicht kaufen? Risiko? Verantwortung? Abenteuer…? Mir juckts in den Fingern. Nach den Behandlungen!

18. September 2018

Die Buchmesse wird eine Haarnadelkurve! Hätte mir mal vorher einer sagen können, daß man sich auf diese Messe hin bei den Druckereien und vor allem den Buchbindereien in eine laange Schlange einreihen muß? Rat eines Freundes: „Dann laß den anderen Verlag. Kauf lieber eine Buchbinderei!“ Nein, wohl eher nicht…. Lese in jeder freien Minute Antaios-Bücher. Nicht alles oder komplett meine Meinung. Aber alles interessant und wichtig. Und was wäre das für ein Verleger, der nur seine eigene Meinung gedruckt sehen wollte? Noch ist alles nicht in trockenen Tüchern – aber: lauter grüne Zweige, und das im frühen Herbst…

Der Sammelband Wir hatten es uns anders vorgestellt- Wie Neudeutsche auf ihre Heimaten blicken m u ß endlich fertig werden! Tufan erreiche ich seit zwei Wochen nicht. Dabei ist er der talentierteste Schreiber! Kositza meint, das Ajinde-Interview müsse dringend komplett überarbeitet werden, sie findet es grauenhaft: „Damit erwirbst Du Dir keine verlegerischen Meriten. Wenn Du Ajinde das alles durchgehen läßt, kommst Du auf den Index.“ Und Paul und Samir antworteten mir gerade fast wortgleich auf den Hochdruck, den ich mittlerweile veranstalte: „Thomas! Denk dran! Afrika! Hier gehen die Uhren anders!“ Meine trockene Antwort: „Das hatte ich mir anders vorgestellt…“ Hallo?! In vier Wochen wollen wir auf der Buchmesse sein!

26. September 2018

Der Verkaufsvertrag mit Antaios ist so gut wie in trockenen Tüchern. Und meine eigenen, eigentlichen Bücher? Yilmaz  m u ß  klappen bis Mitte Oktober. Zu den „Neudeutschen“ kann ich nur sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ewa, Ararat und Samir stünden für eine Vorstellung auf der Buchmesse zur Verfügung. ENDSPURT!!!

4. Oktober 2018

Countdown! Noch eine Woche bis zur Buchmesse! Dann mit „großem Gepäck“, nämlich mit Antaios! Habe heute über Kleidungsfragen achgedacht – geht man da leger hin oder eher festlich? Dabei fiel mir ein Wortwitzchen ein: „Hauptsache wird sein, Du ziehst Dich warm an!“ Als ich Kubitschek am Telefon den Spruch aufsagte (übrigens herrlich: sich auch sprachlich irgendwie zu verstehen, „Weischt, Thomas, des isch it so oifach…“), legte er einen nach: „Ein dickes Fell solltest Du schon haben!“

Nein. Wieso? Ich werde einen Verlag gekauft haben mit einem höchst interessanten, streitbaren Programm. Einen Verlag, der wichtige Anstöße gegeben hat. Ich kann mich hinter sämtliche Fragestellungen, die diese Bücher formulieren, vollumfänglich stellen. Nicht hinter jede einzelne Meinung jedes einzelnen Autors. Was soll man mir können?

9. Oktober 2018

„Dieses Kribbeln im Bauch, das man niemals vergißt…!“ Buchmesse, wir kommen! Ich bin hochgespannt und freue mich auf viele und vielfältige Gäste! Jeder Besucher, jede Besucherin ist uns herzlich willkommen! Wenn wir Glück haben, wird Deutscher als ich geht eigentlich nicht bis zum Ende der Woche ausgeliefert. Cem Kemal Yilmaz wird auf jeden Fall am Stand anwesend sein, Ellen wird ihn am Samstag interviewen. Yilmaz findet meine „Großverlegerwerdung“ „saucool.“ Ich so langsam auch!

Mit dem Standort Halle 4.1. bin ich übrigens vollauf zufrieden. Wir werden von lauter interessanten Ständen umgeben sein, es ist ein toller Platz. Daß es spannend werden wird, versicherte mir Kubitschek. Ja! Gern! „Nur keine Langeweile, besser kein Leben!“, schrieb mein Herzensdichter Christian Morgenstern. So geht Diskurs! So wünsche ich mir Buntheit: Ins Gespräch kommen, sich austauschen, sich eventuell einig sein, daß man nicht einig ist: Was sonst wäre Demokratie?

Diskussion? Ja, bitte! I come in peace!